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Giardien bei Hund und Katze – das Wichtigste zusammengefasst!


Was genau sind eigentlich Giardien?

Giardien (genauer Giardia duodenalis) bei Hund oder der Katze sind nicht selten! Giardien sind Magen-Darm-Parasiten, die man als HalterIn von Hund und Katze unbedingt auf dem Schirm haben sollte: Giardien sind allerdings keine Würmer, sondern einzellige Lebewesen (sogenannte Protozoen), deren Form der einer Birne gleicht. Sie machen in der Tiermedizin eine der häufigsten Ursachen für Durchfall bei Hund und Katze aus und befallen neben jungen Hunden und Katzen auch Kinder (zoonotisches Potential). Deswegen ist neben der Therapie der Tiere auch auf eine strenge Hygiene zu achten. Doch dazu später mehr!

Woher kommen die Giardien?

Die Ansteckung mit den Giardien (Giardia doudenalis) erfolgt meist über einen direkten Kontakt mit infizierten anderen Hunden oder Katzen oder auch deren Kot. Die kleinen Parasiten werden zahlreich über den Kot von infizierten Jungtieren ausgeschieden als sogennannte Giardien-Zysten. Danach sind sie sofort in der Lage, andere Jungtiere anzustecken. Die Ansteckung mit Giardien erfolgt durch die Aufnahme mit dem Mund, wenn die Tiere mit dem Maul Kontakt zu anderen inifzierten Tieren, oder deren Kot haben (sog. Schmutz-und Schmierinfektion). Dies geschieht besonders schnell in Zwingerhaltung und Tierheimen, wo viele Tiere auf engem Raum gehalten werden. Eine weitere Ansteckungsquelle stellt infiziertes Trinkwasser dar.

Wieso verursachen die Giardien Durchfall?

Die Giardien durchlaufen im Verdauungstrakt des Tieres zwei Entwicklungsstadien. Die infektiöse Zyste, mit der sich das Tier über das Maul angesteckt hat, ist dabei die Dauerform, mit der die Parasiten in der Umwelt überleben können. Nachdem Sie den Dünndarm erreicht haben, entwickeln sich die Zysten zu ihrer Entwicklungsform (vegetative Form), den sogenannten Trophozoiten (trophos – griech. Ernährung). Giardien besitzen sogenannte Haftscheiben, mit denen sie in der Lage sind, sich in der Dünndarmwand zu verankern, um dem Wirt die Nahrungsbestandteile strittig zu machen. Die Anheftung hat eine Entzündung des Darmes, einen starken Flüssigkeitsverlust und eine mangelhafte Nährstoffverwertung als Folge. Häufig bemerkt man die Giardieninfektion dann an Fressunlust, Durchfall oder auch Abmagerung.

Wie bemerke ich, dass mein Tier Giardien hat?

Zwischen Aufnahme der Zysten und Beginn der Symptome können vier bis 16 Tage vergehen. Durch die Anheftung der Trophozoiten im Dünndarm und den damit einhergehenden Nährstoffmangel und Flüssigkeitsverlusten, können die infizierten Tiere oft schnell an Gewicht verlieren, ausgetrocknet sein und meistens wässrigen Durchfall absetzen. Dieser kann unter Umständen auch mit Schleim und Blut vermengt sein.

Ein häufig beobachtetes Phänomen ist ständiger Gewichtsverlust bei noch erhaltendem Appetit. Trotzdem können die Hunde und Katzen auch Erbrechen zeigen. Beim Tierarzt können die Tiere außerdem hohes Fieber aufweisen. 

Klinische Symptome ("Krankheitsanzeichen") zeigen vor allem 2-3 Monate alte Welpen, bei älteren Tieren verläuft die Infektion aber meist unbemerkt. Gefährdet sind neben den Jungtieren aber auch ältere, immungeschwächte und anderweitig kranke Tiere. Hormonelle Erkrankungen, aber auch kohlenhydratreiche Ernährung fördern die klinische Manifestation (Durchfall, Fressunlust, uws.). Da viele Aspekte die klinischen Symptome bestimmen, spricht man bei einer Infektion mit Giardien von einer Faktorenkrankheit.

 

Giardien Zysten in der Flotation von einem Hund

 

Die wichtigsten Symptome einer Giardien-Infektion (sog. Giardiose) im Überblick:

  • akuter, bis chronischer Durchfall mit wässriger Konsistenz, manchmal gelblich (Fett), oder mit Blut,-oder Schleim beigemengt.
  • rapider Gewichtsverlust bei erhaltenem Appetit, Dehydratation
  • Fieber und Erbrechen sind nicht auszuschließen.

Wie erfolgt der Giardien-Nachweis beim Tierarzt/ im Labor?

Hierfür wird eine Sammelkotprobe von 3 Tagen in einem Probenröhrchen gesammelt (erhältlich beim Tierarzt und in der Apotheke). Wichtig ist, dass von dem Kot an drei aufeinanderfolgenden Tagen jeweils eine kleine Menge gesammelt wird, da die Giardien nicht jeden Tag ausgeschieden werden. Damit möchte man vermeiden, dass das Ergebnis negativ ausfällt, obwohl das Tier eigentlich infiziert ist (sog. falsch-negatives Ergebnis).

Der Tierarzt entnimmt aus der Kotprobe mit einem Tupfer etwas Material und sucht mit Hilfe eines Schnelltests nach ganz bestimmten Bestandteilen der Giardien – also sogenannten Antigenen. 

Fällt der Schnelltest positiv aus, ist in jedem Fall von einer Infektion auszugehen. Wichtig ist dabei auch, nach erfolgter Behandlung (ca. 2-3 Wochen) den Test zu wiederholen, um eine eventuelle Neuinfektion aus der bereits kontaminierten Umwelt auszuschließen.

Im Labor (u.a. bei exomed – also uns) besteht die Möglichkeit, die Giardien mit einem sogenannten ELISA-Test nachweisen zu lassen. Studien haben gezeigt, dass der ELISA eine höhere Sensitivität aufweist als der Schnelltest. Das bedeutet, er misst genauer und wird demnach als der "beste Test" angesehen, um eine Giardien-Infektion sicher nachzuweisen. 

Bei einer Infektion mit Giardien produzieren diese speziellen Antigene, die an die aufgetragenen Antikörper auf den Platten binden können. Hierbei handelt es sich um ein einfaches Protein, das die Giardien abgeben, während sie sich im Verdauungstrakt des Wirtes vermehren. Dieses Antigen ist demnach nur bei einer bestehenden Infektion mit Giardien vorhanden und auch ohne Auftreten von infektiösen Zysten oder Trophozoiten im Kot der Tiere zu finden. Die Antikörper sind außerdem mit einem anderen Baustein, einem Enzym, so verbunden, dass dieses bei einer bestehenden Infektion eine chemische Reaktion ablaufen lässt. In diesem Fall erkennt man eine positive Reaktion daran, dass dabei ein Farbwechsel stattfindet. Weil man hier ein Antigen nachweist, zählt man den Test zu den sogenannten Antigen-Tests.

 

eine Giardien-Zyste von einem Hund 

Wie entstehen die Kosten für einen ELISA-Test auf Giardien? 

Wir bei exomed im Labor wenden ausschließlich den sogenannten ELISA-Test an. Dieser ELISA-Test ("ProSpecT - Mikroplate Assay") kostet inklusive Mehrwertsteuer 25,79€ (transparent zu sehen auf der Website auf unseren gängigen Einsendeformularen) für PrivathalterInnen.

Reine Materialkosten, die bei der Anwendung entstehen, bewegen sich zwischen etwa 3-4 Euro pro Kotprobenuntersuchung auf Giardien. Hierzu gehören die Platten, auf denen die speziellen Antikörper (GSA 65 – Giardia spezifische Antikörper von Kaninchen) aufgebracht sind, sowie für den Test notwendige Reagenzien.

Neben den Materialkosten muss man natürlich auch den zeitlichen Aufwand miteinbeziehen: Während ein SNAP-Test und andere Schnelltests auf Giardien weit weniger Zeit in Anspruch nehmen (ca. 10-30 Minuten mit ca. einer Minute Arbeitszeit), muss der ELISA Test etwa eineinhalb bis zwei Stunden stehenbleiben, bis die womöglichen Reaktionen verlässlich abgelesen werden können. Die Arbeitsschritte vorher und nachher beinhalten das Auftragen der verdünnten Kotprobe, das Waschen und das Aufbringen verschiedener Lösungen. Insgesamt benötigt man für alle Schritte zusammen also etwa weitere 10 bis 15 Minuten reiner Arbeitszeit.

Wieso also ist der ELISA-Test auf Giardien aus dem Labor sinnvoll? Der zeitliche Mehraufwand lohnt sich laut klinischen Studien deswegen, weil die Sensititvität (96%) und die Spezifität (98%) bessere Werte liefern als der Schnelltest. Die Ergebnisse sind also genauer und falsche Ergebnisse werden eher vermieden. Der Preis beinhaltet des Weiteren einen tierärztlichen Befund, eine Empfehlung über die Therapie und Tipps zu Bekämpfungsmaßnahmen, sowie die Möglichkeit bei Fragen telefonisch Rücksprache zu halten.

Therapie von Giardien:

Bei der Behandlung kommen vor allem zwei Medikamente zum Einsatz:

  1. Metronidazol: wirkt bakterizid gegen anaerobe Bakterien und vor allem antiparasitisch gegen Protozoen (z.B. Giardien).
  2. Fenbendazol (Panacur®): hat weniger Nebenwirkungen als Metronidazol und wird außerdem auch häufig zur Entwurmung verwendet.

Des Weiteren erfolgt eine symptomatische Therapie gegen den Durchfall und die Dehydratation beim Tierarzt.

Partnertiere, die im selben Haushalt leben, sollten ebenfalls behandelt werden! Oftmals sind Hunde und Katzen infiziert, aber bei ihnen bricht keine Erkrankung aus, sie bleibt also unbemerkt. Man bezeichnet solch eine Infektion als "latent". Die latent infizierten Tiere können allerdings trotzdem infektiöse Giardien-Zysten ausscheiden, andere Tiere dadurch anstecken und sollten deshalb auf jeden Fall mitbehandelt werden.

Während der Behandlung sollte auf eine kohlenhydratreiche Fütterung sowie auf Milchprodukte verzichtet werden. Die Umgebung bitte mit wirksamen Desinfektionsmitteln behandeln: Wirksame Mittel sind z.B. Endosan Forte und/oder Neopredisan (erhältlich bei großen Versandhandelsunternehmen).

Wichtige Hygienemaßnahmen bei Giardien-Infektion:

Wenn sich ein Hund oder eine Katze mit Giardien angesteckt hat, ist es oft schwierig diese Infektion dauerhaft zu beenden. Nur wenige Erreger sind nötig, um weitere Hunde und Katzen anzustecken. Giardien sind in der Umwelt relativ widerstandsfähig und unmittelbar nach der Ausscheidung in die Umwelt ansteckend. Somit führen sie immer wieder zu neuen Infektionen, weshalb es wichtig ist, diese Infektionskette dauerhaft zu unterbrechen. 

Wie sollte man bei der Bekämpfung von Garidien vorgehen?

  • Häufiges Sammeln und Entsorgen von Kot und Kotresten
  • Reinigen von allen Oberflächen, die möglicherweise mit Kot in Berührung gekommen sein könnten (Böden, Wände usw.) Wenn möglich einen Dampfstrahler mit einer Mindesttemperatur von 80° C benutzen. Die Oberflächen nach der Reinigung gut abtrocknen und desinfizieren
  • Desinfektion mit geeigneten Desinfektionsmitteln. Bei Unsicherheit wirksame Desinfektionsmittel beim Tierarzt/der Tierärztin erfragen
  • Futter- und Trinkgefäße täglich mit kochendem Wasser säubern und gründlich abtrocknen
  • Katzentoilette täglich mit kochendem Wasser säubern
  • Decken und Kissen bei 90° C waschen. Nicht waschbare Gegenstände über den Hausmüll entsorgen
  • Kratzbäume gründlich absaugen und reinigen
  • Hunde und gegebenenfalls Katzen baden und gründlich shampoonieren. Die dabei beabsichtigte Elimination der Giardia-Zysten gelingt besonders gut mit Chlorhexidingluconat-haltigen Produkten. Anhaftende Kotreste entfernen und ggf. lange Haare im Bereich des Anus scheren
  • Strikt auf die eigene Hygiene achten! Insbesondere bei immungeschwächten Personen und Kleinkindern. Nach jedem Umgang mit Hunden oder Katzen gründlich die Hände waschen!

Stellen Giardien für den Menschen eine Gefahr dar?

Giardien sollte man definitiv nicht unterschätzen! Manche Arten von Giardien (z.B. G. duodenalis) stellen vor allem für Kleinkinder, aber auch für erwachsene, immungeschwächte Menschen eine ernstzunehmende Durchfallerkrankung dar. Eine solche Krankheit, die von Tieren auf den Menschen übertragen werden kann, nennt man eine Zoonose. Die Infektion gehört zu den zehn häufigsten Parasitosen bei Menschen. Die Ansteckung mit Giardien beim Menschen erfolgt hier meist über mit infiziertem Kot verschmutztes Trinkwasser oder rohes Gemüse, jedoch kann es auch zur Ansteckung an Giardien-infizierten Tieren kommen.

Quellen:

Eckert J, Freidhoff KT, Zahner H, Deplazes P (2008) Lehrbuch der Parasitologie für die Tiermedizin. Enke, Stuttgart, 2. Auflage. pp. 33-36.

ESCCAP-Tierhalter-Information: Hygienemaßnahmen bei Giardien. Link: https://www.esccap.de/uploads/media/ESCCAP_Giardien_Factsheet_Hygienemassnahmen_2017.pdf, aufgerufen am 29.10.2020.

Pantchev N (2018) Giardien bei Hund und Katze. Kompendium Kleintier, 11:23-28.

Schnyder Gasparoli M, Rehbein S, Deplazes P (2015) Protozoeninfektionen Giardiose. In: Krankheiten der Katze, Hrs.: H. Lust, B. Kohn, F. Forterre. Enke, Stuttgart, 5. Auflage S. 435-438.

Tenter AM, Deplazes P (2006) Protozoeninfektionen von Hund und Katze. In: Veterinärmedizinische Parasitologie, Hrs.: T. Schnieder. Parey, Stuttgart, 6. Auflage. S. 409-411.


30.10.2020 15:33:43