Amöbeninfektionen bei Schlangen und Echsen

 

Bei Ihrem Reptil wurden Amöben festgestellt. Dabei handelt es sich um Einzeller. Es gibt verschiedene Arten von Amöben, am bedeutendsten ist Entamoeba invadens, welche zu schwerwiegenden und bestands-bedrohenden Infektionen führen kann. Einige andere Arten von Amöben (Acanthamöben und Naegleria sp.) wurden z. B. als Verursacher von Entzündungen des Gehirns und anderer Organe beschrieben. Viele weitere Amöbenarten gelten bislang als ungefährliche Darmbewohner vieler Reptilien.  Die weiteren Ausführungen konzentrieren sich auf die wichtigste Amöbenart bei Reptilien: Entamoeba invadens. Über die orale Aufnahme von Zysten (Dauerstadien) aus Kot,über Wasser, Gegenstände oder Futtertiere (als Träger der Zysten) findet die Ansteckung statt.

Als Krankheitsanzeichen werden bei Schlangen und Echsen Nahrungsverweigerung, Abmagerung, blutiger, schleimiger und häufig übelriechender Kot, Erbrechen, Darmvorfälle oder -einstülpungen und tastbare Verhärtungen des Enddarmes beobachtet. Allerdings können auch chronische, relativ symptomfreie Infektionen auftreten. Bei Pflanzen fressenden Schildkröten verläuft eine Entamöba-Infektion in der Regel ohne sichtbare Symptome. Dem behandelnden Tierarzt stehen verschiedene Therapeutika zur Verfügung. Wir beraten Kollegen gerne. Oft ist neben der Amöbenbekämpfung auch eine Versorgung mit Antibiotika und eine Substitutionstherapie zur Aufrechterhaltung der Stoffwechselfunktionen notwendig. Unterstützend kann die Erhöhung der Haltungstemperatur wirken, wenn auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr geachtet wird. Prophylaktisch sollten Schlangen bzw. Echsen nicht mit Schildkröten vergesellschaftet werden. Auch das gemeinsame Halten von verschiedenen Tierarten unterschiedlicher geographischer Herkunft in einem gemeinsamen Terrarium ist nicht empfehlenswert. Neben dem strikten Einhalten einer 3-monatigen Quarantäne von Neuzugängen sollten regelmäßig Kotproben parasitologisch untersucht werden. Ein besonderes Augenmerk muss auf die Einhaltung von Hygienegrundsätzen gerichtet werden. Im Falle einer Infektion sind alle ansteckungsgefährdeten Tiere unter Quarantäne zu halten und tierärztlich zu behandeln. Desinfektionsmaßnahmen sind unrerläßlich, Ihr Tierarzt wird Ihnen geeignete Mittel empfehlen. Als gut wirksam hat sich auch eine Hitzeehandlung  (> 55 °C) erwiesen.