Endoparasiten bei Ratten

Dr. M. Hallinger, H. Schmitz

Unter den Kleins√§ugern genie√üen inzwischen auch Ratten in der Heimtierhaltung eine stetig wachsende Aufmerksamkeit. Es ist allseits bekannt, dass Ratten in der Geschichte mehrfach als Krankheits√ľbertr√§ger eine bedeutende Rolle gespielt haben (z.B. Pest). Trotzdem werden besonders die Farbratten (Rattus norvegicus forma domestica) in immer mehr Haushalten weltweit angetroffen und gelten inzwischen unter anderem auf Grund ihrer Intelligenz als beliebte Heimtiere. Da auch in menschlicher Obhut gehaltene Ratten Endoparasiten beherbergen k√∂nnen, von denen einige nicht ganz ungef√§hrlich f√ľr sie selbst und ihre Menschen sein k√∂nnen, versuchen wir hier einen √úberblick √ľber die Wichtigsten zu geben.

Im Allgemeinen gilt, dass die meisten Endoparasitosen (Erkrankungen an Endoparasiten) bei Ratten unbemerkt und ohne Symptome verlaufen. Verläufe mit Symptomen betreffen vorwiegend Jungtiere und ältere Tiere mit einem anderweitig geschwächten Immunsystem.

√úbersicht:

Protozoen (Einzeller):

Giardia spp., Kryptosporidium ssp., Tritrichomonas spp., Entamoeba muris, Spironucleus muris, Eimeria spp., Sarcocystis spp., Toxoplasma gondii

Nematoden (Rundw√ľrmer):

Syphacia muris, Syphacia oblevata und Apsiculus tetraptera à Oxyuriden
Angiostrongylus cantonensis à Rattenlungenwurm

Zestoden (Bandw√ľrmer):

Hymenolepis nana, Hymenolepis diminuta und Hymenolepis fraterna (fr√ľher Rodenolepis)

Ratten können auch als Haustiere Endoparasiten beherbergen und sollten regelmäßig darauf untersucht werden!

Protozoen-Infektionen bei Ratten

Protozoen sind einzellige Endoparasiten, die in verschiedenen Darmabschnitten von vielen Säugetieren, Vögeln oder Exoten parasitieren. Teilweise gehören sie zur normalen Darmflora, können aber in einigen Fällen auch Krankheitsbilder hervorrufen. Zu den wichtigen Protozoen-Infektionen bei Ratten zählen vorrangig die mit Giardien, Hexamiten (Spironucleus muris), Trichomonaden (Tritrichomonas muris) und Amöben (Entamoeba muris).

Je nach Art sind die Protozoen in verschiedenen Darmabschnitten anzutreffen, in denen sie √ľberleben und sich vermehren k√∂nnen. Ihre infekti√∂sen Stadien (z.B. Oozysten) werden von den Ratten √ľber den Kot ausgeschieden und kontaminieren somit die Umwelt (z.B. Futtertr√∂ge/N√§pfe, Tr√§nken oder K√§figeinrichtungen). √úber das Maul werden die Oozysten entweder vom selben Tier (Autoinfektion) oder von anderen Tieren aufgenommen, die sich wiederum mit den Einzellern infizieren k√∂nnen. Im Darm entwickeln sich die aufgenommenen Stadien zur sogenannten vegetativen Form, die wiederum Oozysten ausscheiden kann.

Symptome einer Protozoen-Infektion bei Ratten

Die kleinen Einzeller parasitieren im D√ľnn- bzw. Dickdarm der Ratten, wobei sie in der Regel keine klinischen Krankheitssymptome verursachen. Allerdings kann es bei Jungtieren oder immunsupprimierten Tieren, die ein ohnehin schwaches Immunsystem vorweisen, gelegentlich zu einer massiven Vermehrung der Parasiten im Darm kommen. Durch die Vermehrung entz√ľndet sich die Darmschleimhaut erheblich und die sogenannten Zotten (fingerf√∂rmige Erhebungen des Darmes zur Oberfl√§chenvergr√∂√üerung) schrumpfen. Die Zotten k√∂nnen somit eine normale Resorption (Aufnahme) der N√§hrstoffe aus dem Darm nicht mehr gew√§hrleisten. Daraus k√∂nnen in schweren F√§llen N√§hrstoffmangel, Abmagerung und Durchfall resultieren.

Fällt der Befall nur geringgradig aus, kann es unter Umständen schwierig sein, die Infektion rein äußerlich zu erkennen. Hinweisend ist oftmals alleinig ein stetiger Gewichtsverlust bei normaler Futteraufnahme. Da dies aber auch diverse andere Ursachen haben kann (z.B. Zahnprobleme), sollte nicht ausschließlich auf eine Parasitose (Erkrankung an Parasiten) geschlossen werden.

Bei einem starken Befall und massiver Vermehrung der Parasiten im Darmtrakt kann es zu stinkenden, fl√ľssigen Durchf√§llen, Aufgasungen (Tympanie), Inappetenz und Austrocknung (Exsikkose) der Tiere kommen. Weiterhin zeigen sie oftmals ein struppiges und glanzloses Fell, welches um die Analregion kotverschmiert sein kann. Auf Grund der Aufgasungen ist der Leibesumfang der Tiere vergr√∂√üert und schmerzhaft.

Diagnose einer Protozoen-Infektion bei Ratten

Um eine Diagnose zu stellen, muss man unter anderem verschiedene Ursachen einer Durchfallerkrankung oder Abmagerung (z.B. bakterielle Ursache oder Zahnprobleme) ausschlie√üen. Eine Kotuntersuchung auf Parasitenstadien ist allerdings unter allen Umst√§nden sinnvoll. Im Kot k√∂nnen die meisten infekti√∂sen Stadien der Protozoen (Zysten) identifiziert werden, falls eine Parasitose die Ursache darstellt. Bei Erkrankungen, bei denen bereits deutliche Symptome auftreten, kann man unter Umst√§nden sogar die ‚Äěerwachsenen‚Äú bzw. vegetativen Stadien (sog. Trophozoiten) im Kot detektieren.

F√ľr den Nachweis wird die Kotprobe ein wenig verd√ľnnt auf einen Objekttr√§ger ausgestrichen, gef√§rbt (z.B. nach Giemsa) und dann unter dem Mikroskop auf Stadien der Parasiten untersucht. Hierbei ist allerdings zu beachten, dass mit dieser Methode nicht immer eine eindeutige Diagnose gestellt werden kann. Zum Beispiel im Fall von Giardien bei Ratten kommen hierbei oftmals verf√§lschte Ergebnisse heraus. Hierf√ľr sind serologische Verfahren (ELISA-Antigen-Test) weitaus sinnvoller, weil diese Labortests in dem Fall genauere Ergebnisse liefern.
Behandlung von Protozoen Infektionen bei Ratten

Zur Behandlung von Protozoen kommen zwei Wirkstoffe in Frage:

  1. Metronidazol (‚ÄěFlagyl‚Äú) √ľber 5-7 Tage: wirkt antibakteriell und gegen Protozoen (z.B. Giardien)
  2. Fenbendazol (‚ÄěPanacur‚Äú) √ľber 7 Tage: ‚ÄěPanacur‚Äú, wirkt gegen Giardien und gegen verschiedene W√ľrmer

Bei massivem Befall mit Protozoen ist es ggf. zusätzlich ratsam, auch ein Antibiotikum (z.B. Enrofloxacin) zu verwenden, da die normale Darmbesiedelung der Bakterien im Darm der Nagetiere hochgradig gestört sein kann. Ansonsten besteht hierbei die Gefahr einer sogenannten Enterotoxämie. Hierbei passieren bestimmte Gifte von den Bakterien die beschädigte Darmwand, gelangen ins Blut und können eine Blutvergiftung der Tiere verursachen.

Neben Parasiten und Bakterien können sich bei solch einer Erkrankung auch gehäuft Hefen im Verdauungstrakt vermehren (Darmmykose). In solch einem Fall ist die Anwendung eines Antimykotikums, also einem Mittel gegen Pilze, (z.B. Nystatin) angebracht.

Allgemein sollten auch die Symptome vom Durchfall therapiert werden, damit sich die Tiere besser f√ľhlen. Daf√ľr bekommen sie Infusionsl√∂sungen und Glucose, um die fehlenden Mineralstoffe und N√§hrstoffe aufzuf√ľllen. Bei Patienten mit Inappetenz kann unter Umst√§nden eine Zwangsf√ľtterung von N√∂ten sein. Sind die Tiere stark aufgegast, wird auch dagegen ein Mittel (Dimeticon, Antitympanicum) gegeben. Auch die Gabe von Schmerzmitteln (Metamizol) kann notwendig sein, da die Tiere bei einer Erkrankung h√§ufig unter Bauchschmerzen leiden.

Infektion mit Kokzidien und Kryptosporidien bei Ratten

Die Infektion mit Kokzidien ist bei Ratten vergleichsweise selten anzutreffen. Zu den wichtigen Kokzidien bei Ratten zählen die Eimerien, während die nah verwandten Kryptosporidien den sogenannten Apicomplexa zugeordnet werden. Die Apicomplexa sind ebenfalls einzellige Parasiten, die ihren Namen ihrer spitzen Körperform zu verdanken haben (lat. Apex = Spitze).

Die wichtigen Eimerien-Arten der Ratte sind E. contorta, E. seperata, E. nierschulzi. Cryptosporidium muris ist der bekannteste Vertreter der Kryptosporidien bei Ratten. Diese nehmen die infektionsf√§higen Eier (sogenannte ‚ÄěOozysten‚Äú) aus der Umwelt √ľber das Maul auf. Hierbei spielt unter anderem mit Dauerstadien der Parasiten kontaminiertes Futter eine bedeutende Rolle. Die Oozysten bleiben in der Umwelt meistens mehrere Monate infekti√∂s, sie k√∂nnen also noch lange Zeit nach der Ausscheidung mit dem Kot andere Tiere infizieren, wenn man sie nicht erkannt und bek√§mpft werden.

Wie gef√§hrlich sind Kokzidien und Kryptosporidien f√ľr Ratten?

Obwohl die Infektion mit Kokzidien selten vorkommt, sollte man sie nicht untersch√§tzen. Meistens verl√§uft die Infektion unbemerkt. Vor allem Jungtiere k√∂nnen allerdings unter starkem, w√§ssrigem Durchfall leiden. Sie verlieren viel Fl√ľssigkeit und k√∂nnen dadurch so schnell dehydrieren (austrocknen), dass es zu Todesf√§llen kommen kann. Des Weiteren werden viele unspezifische Symptome, wie Apathie, Inappetenz und Gewichtsverlust beobachtet, die auch andere Ursachen haben k√∂nnen. Jungtiere wachsen oft langsamer, wenn sie infiziert sind und zeigen eine geringere Gewichtszunahme. Wenn zu der Infektion mit den Parasiten noch eine bakterielle Erkrankung dazu kommt (sog. Sekund√§rinfektion), kann es durch die gesch√§digte Darmschleimhaut dazu kommen, dass Gifte von Bakterien in das Blut gelangen und dort eine Blutvergiftung verursachen (Septik√§mie/Sepsis).

Diagnose von Kokzidien und Kryptosporidien bei Ratten

Wenn die Erkrankung klinische Symptome zur Folge hat, kann man die Oozysten der Kokzidien, oder Kryptosporidien mittels Flotationsverfahren in einer Sammelkotprobe der Tiere finden. Eine Kotprobe von nur einem Tag liefert kein ausreichend genaues Ergebnis, weil die Kokzidien nicht regelm√§√üig jeden Tag √ľber den Kot ausgeschieden werden. Man sollte bei einem Verdacht auf eine Infektion mit Kokzidien oder Kryptosporidien nach M√∂glichkeit Kot √ľber 3 Tage sammeln und eine Sammelkotprobe im Labor (z.B. exomed) untersuchen lassen. Im Falle von einer Infektion mit Kokzidien erkennt man hiermit meistens die Oozysten schon im Nativpr√§parat (frischer Kotausstrich).

Da der einfache frische Ausstrich (Nativausstrich) allein kein sicheres Ergebnis liefert, f√§rbt man die Kotprobe mit einer speziellen Methode (Karbolfuchsin-F√§rbung nach Heine) an und danach die Parasiten besser unter dem Mikroskop erkennen. Des Weiteren kann man wie auch bei den Giardien einen ELISA-Antigen-Test durchf√ľhren. Hierbei wird ein Zuckerbestandteil der Erreger (das Koproantigen) nachgewiesen. Der ELISA-Test liefert sehr genaue und zuverl√§ssige Ergebnisse.

Mit dem Verfahren der Immunfluoreszenz (IFAT-Test) kann man die Oozysten der Kryptosporidien unter dem Mikroskop bei besonderem Licht zum Leuchten bringen (gr√ľn). Mittels dieser Methode l√§sst sich ein gr√∂√üeres Spektrum der Kryptosporidien im Kot nachweisen. Er ist demnach bei einer Kotuntersuchung bei Ratten sehr gut geeignet.
Die Kotuntersuchung kann Aufschluss auf einen BEfall mit Parasiten liefern.

Prognose und Therapie bei Kokzidien und Kryptosporidien bei Ratten

Die Prognose bei einer Infektion mit stark ausgepr√§gten Symptomen f√§llt vorsichtig aus, besonders, wenn die Tiere nicht mehr fressen wollen. Diese Patienten m√ľssen tier√§rztlich intensiv versorgt werden.

  1. Das Mittel der Wahl gegen Kokzidien ist der Wirkstoff Toltrazuril (‚ÄěBaycox‚Äú), das einmal am Tag √ľber das Maul gegeben wird. Hierbei verfolgt man das Behandlungsschema 3 Tage Behandlung- 3 Tage Pause ‚Äď 3 Tage Behandlung.
  2. Alternativ kann man den Wirkstoff Sulfonamide (‚ÄěKokzidiol‚Äú) √ľber sieben Tage als Pulver geben. Hierbei handelt es sich um ein Kombinationspr√§parat der beiden Antibiotika Sulfonamid und Trimethoprim
  3. Amprolium kann ebenfalls alternativ zwischen 5-7 Tage gegeben werden

Bei Patienten mit starken Symptomen wird zus√§tzlich eine Infusionstherapie zum Auff√ľllen von Fl√ľssigkeit, Vitaminen und N√§hrstoffen durchgef√ľhrt. Ein Antibiotikum sch√ľtzt gegen die bereits oben erw√§hnt m√∂gliche Enterot√∂xamie durch Bakterien. Die Bakterien produzieren Toxine, die durch die gesch√§digte Darmwand in den Blutkreislauf gelangen und dort zu einer Blutvergiftung f√ľhren k√∂nnen. Nach jeder Behandlung erfolgt die Reinigung und Desinfektion von K√§fig und Inventar, um eine erneute Infektion der Tiere mit √ľbrig gebliebenen Oozysten zu vermeiden.

Behandlung vom Käfig und seiner Einrichtung

Die erw√§hnten einzelligen Erreger zeichnet ihre enorme Widerstandskraft gegen diverse Umwelteinfl√ľsse (Temperaturen, Trockenheit, Feuchte etc.) aus, weshalb sie, nachdem sie ausgeschieden wurden, in der Regel noch eine Weile in der Umwelt √ľberleben k√∂nnen und infekti√∂s bleiben. Daher sollten der K√§fig und seine Einrichtungsgegenst√§nde in regelm√§√üigen Abst√§nden mit hei√üem Wasser gereinigt und anschlie√üend mit wirksamen Desinfektionsmitteln (z.B. ‚ÄěNeoprednisan Forte‚Äú oder ‚ÄěEndosan‚Äú) desinfiziert werden. Gegenst√§nde, die nicht leicht zu reinigen und zu desinfizieren sind (z.B. Holz) sollte √ľber den Hausm√ľll entsorgt werden.

Wurminfektionen bei Ratten

W√ľrmer kommen bei Ratten allgemein und vor allem in Gruppenhaltungen (z.B. im Zoofachhandel) nicht selten vor. Sie k√∂nnen vor allem von Rundw√ľrmern (Nematoden) und Bandw√ľrmern (Zestoden) befallen sein. Beide Infektionen kommen zwar h√§ufig vor, f√ľhren aber ebenfalls selten zu ausgepr√§gten Symptomen einer Erkrankung. Dennoch sollte man einige Vertreter kennen und auch eine Infektion therapieren, doch dazu sp√§ter mehr!

Ein Befall mit Rundw√ľrmern (Nematoden) bei Ratten ist nicht selten: Die h√§ufigsten Nematoden (Rundw√ľrmer) bei Ratten sind Oxyuriden (‚ÄěPfriemenschw√§nze‚Äú), genauer die Arten Syphacia obvelata, Syphacia muris und Aspiculus tetraptera. Die Parasiten leben im Dickdarm der Nagetiere, wo auch die adulten Weibchen ihre Eier ablegen. Die Ansteckung mit Oxyuriden erfolgt auf verschiedenen Wegen:

Die Tiere k√∂nnen einerseits direkt √ľber den Kot anderer Tiere aufgenommen werden, aber auch √ľber mit Eiern kontaminiertes Futter, oder Wasser √ľbertragen werden. Da sie dank ihrer √§u√üeren Schale eine klebrige Konsistenz aufweisen, k√∂nnen sie am Fell der Tiere ‚Äď besonders an der Analregion ‚Äď und in der Umwelt kleben bleiben.

Symptome einer Nematoden-Infektion bei Ratten

Auch hier scheinen erst starke Infektionen mit vielen W√ľrmern Symptome hervorzurufen. Es kann jedoch Durchfall unterschiedlicher Konsistenz auftreten. Sehr ausgepr√§gt ist bei der Infektion mit Oxyuriden auch der Juckreiz an der Haut der Analregion. In Einzelf√§llen fangen die Tiere an, sich deshalb an den betroffenen Stellen selbst zu verletzen (Automutilation). Bei Jungtieren k√∂nnen Abmagerung und verz√∂gertes Wachstum auftreten, weil ihnen durch die W√ľrmer wichtige N√§hrstoffe strittig gemacht werden und fehlen. Wenn die Tiere mit vielen W√ľrmern zu k√§mpfen haben, k√∂nnen sie unter Umst√§nden sehr stark pressen, sodass ein Rektum-Prolaps eintreten kann. Hierbei tritt ein St√ľck Enddarm durch den After aus und ist von au√üen sichtbar.

Diagnose von Nematoden bei Ratten

Im Falle von Oxyuriden bei Ratte, Maus, oder Rennmaus kann man einen Klebestreifen nehmen und einen Abklatsch von der Analregion der Tiere durchf√ľhren (sog. Abklatschprobe). Man kann die Larven dann unter dem Mikroskop detektieren. Jedoch sind die Eier der Oxyuriden auch h√§ufig in der Flotationsmethode (s.u.) nachweisbar. Die √ľbrigen Nematoden werden fast alle durch die Untersuchung von Sammelkotproben ausfindig gemacht. Hierbei schaut man mit der Flotationsmethode nach Eiern der W√ľrmer im Kot. Die Eier flotieren in einer Mischung aus Wasser und Zucker oben, sodass man sie absammeln und unter dem Mikroskop finden kann. Der Tierarzt oder das Labor ist dann in der Lage, die Parasiten anhand ihrer Eier zu erkennen und kann damit eine effektive Therapie starten.
Wichtig zu erw√§hnen ist, dass nach einem Nachweis von W√ľrmern immer eine Therapie eingeleitet werden sollte, auch wenn keine Symptome zu erkennen sind. Eine unerkannte Infektion mit W√ľrmern kann zu einer Immunsuppression f√ľhren und somit andere Erkrankungen (z.B. Pilzinfektionen oder bakterielle Infektionen) beg√ľnstigen. Au√üerdem sind nachweislich mehrere der Wurmarten f√ľr den Menschen infekti√∂s (sog. Zoonosen).

Behandlung von Nematoden bei Ratten

Zum Einsatz kommen hier vor allem 2 mögliche Wirkstoffe:

  1. Fenbendazol (Panacur): einmal t√§glich √ľber 5 Tage
  2. Febantel und Pyrantelembonat (Welpan): einmal t√§glich √ľber 3 Tage

Alternativ kann eine Therapie mit Ivermectin (Ivomec) als Injektion unter die Haut mit einer Wiederholung nach 5-7 Tagen versucht werden. Diese Methode ist allerdings auf Grund der Infektion relativ aufwendig. Wichtig ist, alle Partnertiere in einer Gruppe ebenfalls zu behandeln, um eine Infektion bei anderen Tieren sicher auszuschlie√üen. Bei anhaltenden Durchf√§llen ist auch eine Therapie gegen den Durchfall angebracht. K√§fig und Inventar sind gr√ľndlich zu reinigen und zu desinfizieren. Gegenst√§nde aus Holz, oder anderem Material, das sich nicht leicht reinigen l√§sst, sind zu entsorgen.

Infektion mit Bandw√ľrmern bei Ratten

Auch einen Befall von Bandw√ľrmern (Zestoden) bei Ratten weisen wir im Labor regelm√§√üig nach! Die h√§ufigsten Bandw√ľrmer bei Ratten sind Hymenolepis nana und Hymenolepis diminuta (Rattenbandwurm). Zu erw√§hnen ist, dass beide Spezies auch gef√§hrlich f√ľr den Menschen werden k√∂nnen (Zoonose)! Eine Besonderheit von Hymenolepis nana ist, dass die Ansteckung direkt √ľber die Aufnahme von infekti√∂sen Bandwurm-Eiern erfolgen kann, aber auch indirekt mit Insekten als Zwischenwirt. In den Insekten finden einfach ein Teil der Entwicklung bis zum erwachsenen Bandwurm statt. Der Unterschied zu Hymenolepis diminuta ist, dass diese Bandw√ľrmer Insekten als Zwischenwirt brauchen, um sich vollst√§ndig zu entwickeln. Auf Grund der Tatsache, dass Hymenolepis nana diesen Zwischenwirt (Insekten oder K√§fer) nicht ben√∂tigt, erfolgt die Ansteckung in einer Gruppe an Tieren schneller. Ratten k√∂nnen sich au√üerdem noch mit Hymenolepis microstoma und H. fraterna anstecken, die dann in den Galleng√§ngen der Leber parasitieren und sich in K√§ferlarven als Zwischenwirt entwickeln.

Symptome und Diagnose einer Bandwurm-Infektion bei Ratten

Auch hier tauchen meistens keine Symptome einer Infektion auf! Trotzdem sollte eine Infektion mit Bandw√ľrmern nicht untersch√§tzt werden. Bei massivem Befall k√∂nnen Durchfall und Gewichtsverlust auftreten, Jungtiere k√∂nnen Wachstumsst√∂rungen aufweisen. Auch Verstopfungen bis hin zu einem Darmverschluss (Ileus) k√∂nnen auftreten.

F√ľr die Diagnose wird ebenfalls eine Sammelkotprobe von 3 Tagen mittels Flotationsverfahren untersucht. Auch hier werden die Eier unter dem Mikroskop untersucht. Die Eier von Hymenolepis nana sind beispielsweise rundlich und deutlich kleiner als die von Hymenolepis diminuta.

Behandlung von Bandw√ľrmern bei Ratten

Obwohl selten klinische Symptome auftreten, ist immer eine Therapie durchzuf√ľhren! Der wichtigste Grund hierf√ľr stellt die Tatsache, dass sich Menschen sowohl mit Hymenolepis nana als auch mit Hymenolepis diminuta anstecken k√∂nnen. Das gilt insbesondere f√ľr Tiere, die in engem Kontakt zu ihren Besitzern stehen (z.B. Ratten).
Zur Auswahl steht v.a. ein Wirkstoff:

  1. Praziquantel (Droncit): zweimalige Gabe im Abstand von 14 Tagen √ľber das Maul. Hierbei ist eine einmalige Gabe meistens ausreichend, sollte aber dringend im Abstand von 14 Tagen wiederholt werden, um einer erneuten Infektion (Reinfektion) vorzubeugen.

Zoonotisches Potential der Ratten-Bandw√ľrmer

Das zoonotische Potential der Bandw√ľrmer, vor allem Hymenolepis nana, sollte nicht untersch√§tzt werden. Neben Durchf√§llen und Kopfschmerzen kann es auch zu neurologischen Symptomen kommen. Falls bei Ratten im Haushalt Bandw√ľrmer diagnostiziert werden sollten, m√ľssen alle Tiere im Bestand behandelt werden und sich an eine strikte Hygiene gehalten werden, um eine Ansteckung beim Menschen (v.a. Kinder) zu verhindern.

Abschlie√üend sollte man sich √ľber m√∂gliche Infektionen mit Magen-Darm-Parasiten bei Ratten unbedingt bewusst sein und regelm√§√üige Kotuntersuchungen durchf√ľhren lassen, um die Gefahr einer Infektion f√ľr Tiere und Menschen m√∂glichst gering zu halten. Gerne bearbeiten wir Ihre Proben und liefern in der Regel noch am selben Tag das Ergebnis. Informationen zu den Kosten finden Sie im Einsendeschein, wir empfehlen f√ľr Ratten und andere Kleins√§uger unser Profil ‚ÄěGastro basic‚Äú, mit dem alle relevanten Parasiten inklusive Giardien, nachgewiesen werden k√∂nnen.

Quellen:

Ewringmann A., Glöckner B. (2008), Durchfall in: Leitsymptome bei Hamster, Ratte, Maus und Rennmaus, Enke, Stuttgart, 2. Überarbeitete Auflage, pp. 74-81.

Eckert J., Freidhoff K.T., Zahner H., Deplazes P. (2008) Lehrbuch der Parasitologie f√ľr die Tiermedizin, in Stamm Metamonada pp. 33-42, Enke, Stuttgart, 2. Auflage.

Beck W., Pantchev N. (2006), praktische Parasitologie bei Heimtieren, Schl√ľtersche, Hannover, pp. 61-64.
R.C.A. Thombson (2015), Neglected zoonotic helminths: Hymenolepis nana, Echinococcus canadensis and Ancylostoma ceylanicum, European Society of Clinical Microbiology and Infectious Diseases, Elvesier.

ESCCAP ‚ÄěEmpfehlungen zur Behandlung von Parasiten und Mykosen bei kleinen Heimtieren (Kleins√§ugern), Nr. 7, Erste Ausgabe ‚Äď Juni 2021, pp. 15-21

Kathrin Hunklinger (2007), Untersuchungen zur Wirksamkeit von Neopredisan 135‚Äď1 an Dauerstadien von Aspiculuris tetraptera und Trichuris muris, Inaugural-Dissertation zur Erlangung des Grades eines Doktors der Veterin√§rmedizin an der Freien Universit√§t Berlin