Wie oft sollte man seine Hunde entwurmen?

Dr. M. Hallinger, H. Schmitz

Hunde erkunden mit ihren Nasen die Welt! Viele Hunde fressen kleine Nagetiere, haben Kontakt zu erlegtem Wild oder haben unbeaufsichtigten Freigang. Auch bestimmte Fütterungsformen stellen eine mögliche Ansteckungsform mit Parasiten dar. Hunde nehmen also immer wieder infektiöse Stadien von verschiedensten Parasiten aus der Umwelt auf und können später daran erkranken. Da manche der Parasiten auch für Menschen und Kinder gefährlich werden können, sollte eine regelmäßige Entwurmung bei jedem Hund auf dem Programm stehen. Wann und in welchen Abständen entwurmt oder der Kot der Hunde auf Parasiten-Stadien untersucht werden sollte, hängt von vielen Aspekten ab.

Wir versuchen hiermit einen Überblick zu verschaffen:

Allgemein gilt: bei einem durchschnittlichen Infektionsrisiko werden 4 Entwurmungen pro Jahr empfohlen. Alternativ kann man auch vier Mal eine Sammelkotprobe im Labor oder beim Tierarzt untersuchen lassen und nur bei einem positiven Befund entwurmen.

Studien zufolge bieten 1-3 Entwurmungen im Jahr keinen ausreichenden Schutz.

Das Ziel der Entwurmung ist nicht, alle Würmer aus dem Hund zu eliminieren, sondern die Anzahl der Würmer soweit zu minimieren, dass der Hund keine Erkrankung entwickelt und möglichst keine infektiösen Stadien der Parasiten ausscheidet.

Zusätzliche Entwurmungen/ Kotuntersuchungen sind indiziert, wenn sich das Infektionsrisiko erhöht.
Das ist abhängig vom Alter, der Ernährung und von der Haltung des Tieres! Auch Welpen und trächtige bzw. säugende Hündinnen sind einem erhöhten Risiko ausgesetzt und sollten einem strengerem Entwurmungsschema unterliegen:

  • Freier Auslauf ohne Beaufsichtigung, Verzehr von Aas, oder kleinen Nagetieren à monatliche Entwurmung gegen Bandwürmer, alternativ monatliche Untersuchung einer Sammelkotprobe und Entwurmung bei positivem Befund
  • Flohbefall: Flöhe stellen Zwischenwirte in der Entwicklung mancher Bandwurmarten dar à Nach einem Flohbefall sollte eine zusätzliche Behandlung gegen Bandwürmer erfolgen
  • Enger Kontakt zu Kindern, oder immungeschwächten Menschen à monatliche Entwurmung gegen Spulwürmer, da sich die Risikogruppe mit den ausgeschiedenen infektiösen Eiern der Spulwürmer anstecken können
  • Rohfleischfütterung / BARF/ Verfütterung von Leber oder Lunge: Fleisch oder Innereien zur Verfütterung sollte vorher entweder erhitzt werden (10 Minuten bei mindestens 65°C), oder ausreichend kühl gelagert werden (1 Woche bei -17°C bis -20°C). Ansonsten sollte alle 6 Wochen gegen Bandwürmer entwurmt werden
  • Urlaub/ Auslandsaufenthalt / Hund aus dem Ausland: das Infektionsrisiko mit einigen Parasiten ist in anderen Ländern unter Umständen höher als in Deutschland. Beispielsweise können sich Hunde in südlichen Ländern mit Herzwürmern infizieren. Vor einer Auslandsreise sollte immer eine Beratung und ggf. Prophylaxe beim Tierarzt erfolgen.
  • Trächtige Hündinnen können während der Trächtigkeit schon Spulwürmer auf ihre Welpen übertragen! Daher sollten sie am 50. Trächtigkeitstag entwurmt werden, um eine Infektion der ungeborenen Welpen zu verhindern
  • Welpen: erhalten nach der Geburt ab der 2. Lebenswoche ihre erste Entwurmung gegen Spulwürmer. Die Spulwürmer werden über die Muttermilch übertragen, weil die Larven unter anderem in die Milchdrüse wandern. Weitere Entwurmungen sollten alle 2 Wochen erfolgen, solange die Welpen bei der Hündin säugen. Die letzte Entwurmung sollte zur Sicherheit 2 Wochen nach der letzten Aufnahme der Muttermilch erfolgen
  • Die säugende Hündin: wird parallel zu ihren Welpen gegen Spulwürmer behandelt, damit die Weitergabe der infektiösen Stadien über die Muttermilch minimiert wird

Vorbeugung einer Wurminfektion:

Je nach Haltung, Alter und Fütterung haben Hunde und auch Katzen verschiedene Risiken, sich mit Parasiten anzustecken. Neben einer adäquaten Entwurmung darf man auch andere Faktoren nicht außer Acht lassen:

  • Umgebungsbehandlung:
    Schlafplätze, Futterstellen, Teppiche, Kissen sind nur ein paar Stellen, an denen infektiöse Wurm-Stadien, oder Floh-Eier überleben können, wenn man sie nicht in die Behandlung miteinbezieht. Futter und Wassernäpfe sollten mit heißem Wasser gewaschen werden. Einrichtung und Textilien, mit denen die Tiere viel Kontakt haben, sollten regelmäßig mit dem Staubsauger abgesaugt und wenn möglich gewaschen werden. Eine Raumbehandlung bei Flohbefall sollte in jedem Fall erfolgen.

  • Flohprophylaxe:
    Wie hoch das Risiko für einen Flohbefall ishängt wiederum von vielen Faktoren ab:
  1. Allgemein sollte bei der Fellpflege bei allen Hunden auf eventuellen Flohbefall geachtet werden. Dabei ist die Verwendung eines Flohkamms von Vorteil. Wird ein Flohbefall festgestellt, reicht meistens eine einmalige Behandlung. Andere Tiere im Haushalt sollten ebenfalls ein Präparat gegen Flöhe bekommen.
  2. Bei Tieren mit regelmäßigem Freigang und Kontakt zu anderen Tieren, die anderen Haushalten angehören, ist das Risiko eines Flohbefalls erhöht. In diesem Fall sollte eine ganzjährige, lückenlose Flohbekämpfung stattfinden. Wie oft man behandeln muss, hängt ganz vom Präparat ab.
  3. Ein stark erhöhtes Risiko haben Tiere in Tierheimen, Zwingerhaltung, Pensionen, bei Züchtern und Jagdhunde. In diesen Fällen ist eine strikte Floh-Bekämpfung angesagt. Das beinhaltet eine lückenlose Behandlung der Tiere und ihrer Umwelt. Hierbei sollte täglich Liege und Futterplätze gereinigt werden, sowie Anti- Floh Präparate für die Räume angewendet werden.

Für jeden Einzelfall ist eine Beratung beim Tierarzt zu raten. Gerne stehen wir bei Fragen auch telefonisch zur Verfügung.

Eine Entscheidungshilfe, wie oft eine Entwurmung und eine Flohbekämpfung sinnvoll sind, bietet unter anderem der Entwurmungstest des ESCCAP (European Scientific Counsel Companion Animal Parasites):
https://www.esccap.de/entwurmungstest/