Mykoplasmen bei Landschildkröten – Symptome, Test und Behandlung

Dr. M. Hallinger, H. Schmitz

Neben der bekannten Herpesvirus-Infektion gehören Mykoplasmen zu den wichtigsten infektiösen Erkrankungen bei Landschildkröten.

Besonders problematisch ist, dass viele Tiere über lange Zeit keine deutlichen Symptome zeigen und trotzdem andere Schildkröten anstecken können.

Viele Halter hören den Begriff „Mykoplasmen“ erstmals im Zusammenhang mit:

  • Nasenausfluss
  • Atemwegsproblemen
  • chronischem Schnupfen
  • sogenannten „URTD“-Erkrankungen

Doch was genau sind Mykoplasmen eigentlich? Wie stecken sich Schildkröten an? Welche Symptome treten auf? Und wie funktioniert der Test auf Mykoplasmen bei Landschildkröten?

In diesem Artikel erklären wir die wichtigsten Grundlagen rund um Mykoplasmen und die sogenannte Mykoplasmose bei Landschildkröten.

Was sind Mykoplasmen?

Mykoplasmen sind spezielle Bakterien, die sich in ihrem Aufbau deutlich von vielen anderen bekannten Bakterien unterscheiden.

Besonderheiten von Mykoplasmen:

  • keine Zellwand
  • sehr kleine Größe
  • unterschiedliche Formen möglich, sogenannte pleomorphe Formen
  • Fähigkeit, sich in Wirtszellen zu verstecken

Dadurch können sie:

  • schwerer diagnostiziert werden
  • schwerer therapierbar sein
  • länger im Körper verbleiben

Wichtig: Da Mykoplasmen keine Zellwand besitzen, wirken viele klassische Antibiotika gegen sie nicht.

Welche Rolle spielen Mykoplasmen bei Landschildkröten?

Bei Landschildkröten werden Mykoplasmen vor allem mit Erkrankungen der oberen Atemwege in Verbindung gebracht.

Die Erkrankung wird häufig bezeichnet als:

  • „Runny Nose Syndrome“
  • „Upper Respiratory Tract Disease“ / URTD

Besonders relevant sind:

  • Mycoplasma agassizii
  • Mycoplasma testudineum

Zusätzlich können weitere Krankheitserreger beteiligt sein:

  • Herpesviren
  • Pseudomonaden
  • Pasteurellen
  • Pilze, zum Beispiel Candida spp.

Häufig handelt es sich also um komplexe Mischinfektionen.

Wie stecken sich Landschildkröten mit Mykoplasmen an?

Die Übertragung erfolgt hauptsächlich durch direkten Kontakt zwischen Schildkröten.

Mögliche Infektionsquellen:

  • Nasenausfluss
  • Speichel
  • kontaminierte Futterschalen
  • Einrichtungsgegenstände
  • kontaminierter Bodengrund

Besonders problematisch:
Viele Schildkröten tragen Mykoplasmen symptomlos in sich. Diese sogenannten „Dauerausscheider“ können andere Tiere anstecken, obwohl sie selbst gesund wirken.

Gerade in folgenden Bereichen können sich die Erreger schnell verbreiten:

  • Gruppenhaltungen
  • Auffangstationen
  • Zuchtanlagen
  • Außengehegen

Feuchte Umgebungen verlängern zusätzlich die Überlebenszeit außerhalb des Wirtes.

Warum Quarantäne bei Landschildkröten so wichtig ist

Neue Schildkröten sollten grundsätzlich mindestens vier Wochen in Quarantäne gehalten werden.

Während dieser Zeit empfehlen sich:

  • Beobachtung auf Symptome
  • Test auf Mykoplasmen via PCR
  • Untersuchung auf Herpesviren
  • parasitologische Kotuntersuchung

Wichtig: Ein negatives Testergebnis schließt eine Infektion nicht immer sicher aus.

Mykoplasmen besitzen die Fähigkeit, sich im Körper „zu verstecken“ und können zeitweise nur schwer nachweisbar sein.

Trotzdem gehört die PCR-Diagnostik aktuell zu den wichtigsten Untersuchungen bei Neuzugängen.

Was passiert bei einer Mykoplasmen-Infektion?

Nach einer Infektion dauert es häufig:

  • mindestens 2 Wochen
  • oft eher 4 bis 8 Wochen

bis klinische Symptome auftreten.

Die Bakterien besiedeln vor allem die oberen Atemwege und können dort chronische Entzündungen verursachen.

Die Ausprägung der Symptome hängt stark ab von:

  • Haltung
  • Temperatur
  • Ernährung
  • Stress
  • Immunsystem
  • zusätzlichen Erkrankungen

Auch nach folgenden Ereignissen können Krankheitssymptome plötzlich auftreten:

  • Transport
  • Umzug
  • Winterstarre
  • Vergesellschaftung

Typische Symptome bei Mykoplasmen

Mögliche Symptome einer Mykoplasmen-Infektion bei Landschildkröten sind:

  • Nasenausfluss
  • Augenausfluss
  • Atemgeräusche
  • Maulatmung / Schnappatmung
  • Schleim im Maul
  • vermehrte Speichelproduktion
  • Bindehautentzündung
  • Schwellungen rund um die Augen
  • Pigmentverlust im Nasenbereich
  • reduzierter Appetit
  • Schwäche
  • Gewichtsverlust

In schweren Fällen steigt außerdem die Anfälligkeit für:

  • Lungenentzündungen
  • bakterielle Sekundärinfektionen
  • weitere Atemwegserkrankungen

Wie erfolgt der Test auf Mykoplasmen?

Die Diagnose erfolgt in der Regel über:

  • Tupferproben
  • Nasenspülproben

Die Proben werden anschließend mittels PCR untersucht. Dabei wird spezifisches Erbgut von Mykoplasmen nachgewiesen.

Die PCR bietet heute deutliche Vorteile gegenüber älteren Anzüchtungsverfahren:

  • schneller
  • empfindlicher
  • präziser

Welche Proben werden benötigt?

Für die Untersuchung eignen sich:

  • Nasenspülproben
  • PCR-Tupfer ohne Transportmedium

Wichtig:

Der Tupfer sollte gründlich folgende Bereiche bestreichen:

  • Nase
  • Rachenbereich
  • Choanen

Dort befinden sich häufig viele Erreger.

Geeignete sterile PCR-Tupfer können bezogen werden:

  • beim Tierarzt
  • in Apotheken
  • über unser Labor

Kann ein negatives Ergebnis falsch sein?

Ja. Ein negatives Ergebnis bedeutet leider nicht automatisch, dass keine Infektion vorliegt.

Mykoplasmen können:

  • zeitweise schwer nachweisbar sein
  • sich intrazellulär verstecken
  • intermittierend ausgeschieden werden

Wichtig: Ein positiver Befund gilt dagegen als sicherer Nachweis.

Behandlung von Mykoplasmen bei Landschildkröten

Eine vollständige Elimination der Erreger ist derzeit häufig schwierig.

Viele Tiere bleiben lebenslang Träger der Bakterien.

Trotzdem ist die Prognose für einzelne Tiere oft:

  • gut
  • stabil
  • langfristig kontrollierbar

Insbesondere bei:

  • guter Haltung
  • konsequenter Quarantäne
  • früher Behandlung

Welche Antibiotika wirken gegen Mykoplasmen?

Da Mykoplasmen keine Zellwand besitzen, wirken klassische Zellwand-Antibiotika wie Penicillin nicht.

Zum Einsatz kommen häufig:

  • Doxycyclin
  • Enrofloxacin
  • Marbofloxacin
  • weitere intrazellulär wirksame Antibiotika

Die Therapie sollte immer durch einen reptilienkundigen Tierarzt begleitet werden.

Unterstützende Behandlung

Zusätzlich können sinnvoll sein:

  • Inhalation mit Kochsalzlösung
  • Nasenspülungen
  • Flüssigkeitstherapie
  • Vitaminversorgung
  • Optimierung der Haltung
  • Erhöhung der Temperaturen am Sonnenplatz

Auch die Behandlung weiterer Erkrankungen oder Parasiten ist wichtig, da diese das Immunsystem zusätzlich belasten können.

Müssen positive Schildkröten dauerhaft isoliert werden?

Nicht zwingend. Viele Halter entscheiden sich dafür, mehrere Mykoplasmen-positive Tiere gemeinsam zu halten.

Wichtig:
Positive Tiere sollten niemals mit nachweislich negativen Beständen vergesellschaftet werden.

Außerdem sollten positiv getestete Tiere:

  • nicht zur Zucht verwendet werden
  • keine neuen Bestände infizieren
  • unter guten Haltungsbedingungen gehalten werden

Hygiene und Desinfektion

Eine gute Hygiene spielt eine zentrale Rolle.

Wichtige Maßnahmen:

  • Quarantänetiere zuletzt versorgen
  • Hände desinfizieren
  • getrennte Pflegeutensilien
  • regelmäßige Reinigung

Zur Desinfektion eignen sich beispielsweise:

  • Neopredisan
  • Kovi-X
  • Wasserstoffperoxid

Auch thermische Desinfektion kann sinnvoll sein.

Was tun bei einem positiven Mykoplasmen-Befund?

Bei einem positiven Befund sollte unbedingt ein reptilienkundiger Tierarzt hinzugezogen werden.

Wichtig sind:

  • Optimierung der Haltung
  • Quarantäne
  • Kontrolle weiterer Erkrankungen
  • regelmäßige Beobachtung
  • frühzeitige Behandlung bei Symptomen

Viele Schildkröten können trotz Mykoplasmen langfristig stabil leben.

Diagnostik bei exomed

Bei exomed bieten wir PCR-Untersuchungen auf Mykoplasmen bei Landschildkröten an.

Das exomed-Team unterstützt unter anderem bei:

  • Diagnostik
  • Quarantäneplanung
  • Probennahme
  • Beratung zu Atemwegserkrankungen
  • parasitologischen Untersuchungen
  • weiterführender Reptiliendiagnostik

Bei Fragen zur Probennahme oder Diagnostik können Sie uns jederzeit kontaktieren.

Fazit

Mykoplasmen gehören zu den wichtigsten infektiösen Atemwegserkrankungen bei Landschildkröten. Besonders problematisch sind die häufig symptomlosen Träger sowie die schwierige vollständige Elimination der Erreger.

Eine konsequente Quarantäne, regelmäßige Untersuchungen und gute Haltungsbedingungen helfen dabei, Bestände langfristig zu schützen und Erkrankungen frühzeitig zu erkennen.